Immer wieder kommen in Gesprächen mit Menschen, die Krav Maga nicht oder nur vom Hören-Sagen kennen, die gleichen Aussagen auf:

„Ihr dramatisiert alles. Ich fühle mich in Deutschland sicher. Wir sind ja nicht im Kongo. Anderswo ist es viel schlimmer. Denkt doch mal positiv.“ Oder auch: „Ich schlafe regelmäßig besoffen in der Bahn ein und mir ist noch nie etwas passiert.“

Eine Variante ist noch: „An gefährliche Orte gehe ich eben nicht hin.“ Diese Liste ließe sich bis fast ins Unendliche fortsetzen und ich glaube, viele Kravisten können diesbezüglich eigene Erfahrungen von Gesprächen mit Freunden oder Familienmitglieder hinzufügen.

Was festzustellen ist, ist eine fast schon aggressive Abwehr der Auseinandersetzung mit dem Thema Gewalt in unserer Gesellschaft, einhergehend mit dem Wunsch, dass man doch bitte nicht zu sehr verunsichern solle, Schläfer nicht wecken… So wird das Zusammenschlagen oder Niederstechen von Familienväter an öffentlichen Orten abgetan mit Phrasen wie „Pech“ oder „zur falschen Zeit am falschen Ort“.

Übergriffe auf Frauen sind zwar inzwischen mehr im Bewusstsein, aber auch da herrscht oftmals die Meinung vor, dass die Frau „dann doch bitte nicht abends alleine nach Hause gehen sollte“, „keinen kurzen Rock tragen sollte“, „nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren sollte“, „sie auch mal was aushalten muss (beim Chef….)“ und so weiter und so fort.

Auch die Passanten, die mit einem Schrecken davon kamen am letzten Samstagnachmittag in Köln, als hunderte Hooligans mitten in der Innenstadt auf einem belebten Platz eine Massenschlägerei anzettelten, hätten eben „nicht da sein sollen“, „weggehen sollen“ oder waren „eigentlich gar nicht in Gefahr, weil jeder weiß, dass Hools nur Hools schlagen“.

Bist du auch paranoid?

Fragst du dein Gegenüber hingegen, ob er seine Haustür jederzeit offen lasse, oder die Autotüre, ob er sich beim Autofahren anschnalle oder auch mal in den Rückspiegel schaue, erntest du erneut verständnislose Blicke. Selbstverständlich achte man beim Eigentum auf Sicherheit, selbstverständlich wolle sich niemand der Gefahr schwerer Verletzungen aussetzen und auch in den Rückspiegel schauen, hat nichts mit Pessimismus oder Paranoia zu tun.

Das haben wir ja auch alle gelernt, in der Fahrschule…von unseren Eltern… Wir setzen uns also nicht ins Auto und fahren ohne Gurt, obwohl wir doch noch nie einen Unfall hatten. Wir verschließen die Tür der Wohnung, vom Fahrzeug, vom Campermobil und Ferienhaus, selbst beim Zelt achten wir darauf, dass der Reißverschluss unten ist, wenn wir den Platz verlassen…auch wenn bei uns noch nie eingebrochen wurde.

Warum also, warum also fällt es vielen Menschen so schwer, im Bereich persönlicher Sicherheit ähnlich selbstverständliche Sicherheitsregeln einzuführen? Muss der in der Bahn Schlafende erst die Erfahrung vieler anderer Opfer teilen?

Der Mensch unterscheidet sich unter anderem dadurch vom Tier, dass er vorausschauen kann. Vorausschauend denken und entsprechend handeln. Gefahren kommen sehen und vermeiden. Sich auf Gefahren vorbereiten. Sei es, sich gedanklich auf einen fremden Autofahrer einzustellen, der die Vorfahrt missachten könnte oder auf den Hool, der versehentlich den Passanten überrennt oder niederschlägt.

Hoffen oder Handeln?

Die Vorstellung, der andere sollte sich doch bitte ändern, die Gesellschaft sollte mehr Geld in soziale Projekte stecken, damit es erst gar nicht zur Täterentwicklung kommt, ist und bleibt ein frommer Wunsch. Ebenso wie die Idee, daran zu arbeiten, dass es keine schlechten Autofahrer mehr gibt und wir deshalb schon jetzt auf den Gurt verzichten können. Warum soll ich etwas ändern, wenn doch der andere auf dem falschen Weg ist? Wir – als Zivilpersonen – können am Täter nicht arbeiten!

Sei es am Unfallverursacher, der aus persönlichen Gründen ausgerechnet heute viel zu schnell unterwegs war, als er uns die Vorfahrt nahm, oder am psychisch kranken Täter, der gerade am vergangenen Freitagnachmittag das Bedürfnis hatte, in der Reutlinger Innenstadt mal eben mit dem Messer auf ihm unbekannte Passanten einzustechen.

Diese Dinge geschehen. Wir können sie insofern nicht verändern. Doch wir können lernen, uns bestmöglichst zu schützen und dieses Wissen weitergeben an die Menschen, die wir lieben.

Selbstverständlich kann und sollte Geld in soziale Projekte investiert werden, um die Entwicklung hin zum Täter zu verhindern und um damit langfristig unser aller Leben sicherer zu machen. Aber deshalb auf persönliche Sicherheit verzichten? Aus diesem Grund ohne Gurt fahren? Deswegen mit geschlossenen Augen in Condition White durch die Welt gehen? Darauf hoffen, dass sich der Amoklauf von Reutlingen nicht wiederholt? Erwarten, dass du immer an den Orten bist, an denen sich keine Hools tummeln? Nicht in Köln. Nicht in Düsseldorf. Nicht in Berlin….

Dein Leben, deine Wahl!

Es ist deine Entscheidung, ob du hoffen und die Schicksalsmünze werfen willst, oder ob du deine naturgegebenen Vorteile als Homo Sapiens nutzen willst, indem du dich vorbereitest, dich angurtest, deine Haustüre verschließt, deine Selbstverteidigungsskills und dein Denken schulst.

Gäbe es ein Unterrichtsfach „Taktische Selbstverteidigung“ in der Schule, wir hätten viel weniger Opfer und die Diskussionen, wie die oben angeführten, wären müßig.

Es ist ein Bewusstseinswandel, der wohl stattfinden muss. So wie sich unsere Eltern an die Gurtpflicht gewöhnen mussten, da es immer mehr Fahrzeuge und entsprechende Gefahrensituationen gab. So wie unsere vertrauensseligen Großeltern lernen müssen, nicht jeden Fremden, der nach einem Glas Wasser fragt, in ihre Wohnung hineinzulassen. Wir sprechen nicht über Pessimismus.

Wir sprechen von Awareness. Sei dir der Gefahren bewusst, bereite dich vor und lebe ein sicheres und optimistisches Leben.

Letztlich verhilft das Wissen, jederzeit die Kontrolle über das eigene Leben bewahren zu können, zu Selbstvertrauen, Glück und Zufriedenheit.