Krav Maga und die alten Meister

  • Krav Maga ist nicht Kampfsport

Heute morgen wurde mir ein spannendes Video zugespielt. Es handelt von einer Gruppe kenianischer Frauen. Diese trainieren sich selbst und autodidaktisch in Sachen Selbstverteidigung, um sich vor sexuellen Übergriff zu schützen.

Der Bericht hat mich direkt an die Entstehungsgeschichte von Krav Maga erinnert.

In den politischen Wirren der 1930er Jahre war es ebenfalls eine Gruppe von Zivilisten um den jungen Imi Lichtenfeld, die sich organisierte und gemeinsam trainierte.

Dadurch war es ihnen möglich, sich und ihre Gemeinschaft gegen die teilweise ganz offen ausgeführten gewalttätigen Übergriffe der immer präsenter werdenden Faschisten erfolgreich selbst-zu-verteidigen.

Im Kampf geboren

Die Straßen von Bratislava gelten daher allenthalben als die Geburtsstätte des Krav Maga.

Interessant ist dabei vor allem, wie Imi Lichtenfeld, der gewissermaßen als Hebamme fungierte, bei der Entwicklung dieses taktischen Selbstverteidigungssystems vorgegangen ist.

Entgegen der manchmal zu vernehmenden Theorie hat Imi nämlich kein“ Best of Kampfsport“ geschaffen.

Vielmehr hat er relativ schnell festgestellt, dass kampfsportliche Ansätze zur realen Selbstverteidigung untauglich und regelmässig sogar gefahrenverschärfend sind.

Imi verfolgte daher einen ganz anderen Ansatz. Er beobachtete zunächst sehr genau, wie Menschen unter Stress und in Gefahrenlagen automatisch und natürlich reagieren. Aus diesen natürlichen Bewegungen leitete er dann die taktischen Selbstverteidigungslösungen ab.

Prominentes Beispiel hierfür ist die 360-Defense, die grundsätzlich so gut wie jeder Mensch beherrscht, auch wenn er noch nie zuvor einen Fuss in ein Karate Dojo oder eine ähnliche Einrichtung gesetzt hat.

Jeder kann’s

Der konsequente Rückbezug auf die ohnehin bereits in jedem Menschen vorhandenen Selbstverteidigungskomptenzen macht Krav Maga als Methode so einzigartig.

Und es erklärt auch, warum Krav Maga so einfach zu lernen und zu lehren ist.

Denn in Wahrheit geht es hier nicht um ein Lernen im konventionellen Sinne. Krav Maga verzichtet weitesgehend darauf, extrinsisches Wissen zu vermitteln.

Das Erlernen von Krav Maga bedeutet eher ein Erinnern, beziehungsweise ein Wiederentdecken der eigenen Fähigkeiten.

Erste Erfolge bei dieser Wiederentdeckung können daher durchaus schon nach einer einzigen Trainingseinheit verzeichnet werden.

YOU CAN FIGHT! ist deshalb auch kein poppiger Marketingslogan, sondern bringt deutlich zum Ausdruck, aus welcher Position heraus wir YCF! Krav Maga Instructoren dir als Klienten begegnen.

Wir wissen, dass Krav Maga bereits in dir steckt. Und wir tun nichts lieber, als dich dabei zu unterstützen, es zu entfesseln.

Arbeit, Zeit und grosse Mühe

Derartiges Gedankengut ist freilich nichts für unsere geschätzten Freunde aus der Kampfkunst-/Kampfsportszene.

Erste Erfolge schon nach wenigen Minuten? Ein taktisches Grundwissen während eines Crash Kurses innerhalb von acht Wochen entwickeln? In drei Tagen zum Krav Maga Basic Instructor?

Das passt nicht zu den Dogmen der zum Teil Jahrhunderte alten Systemen, die hierarchisch strukturiert sind und dabei tendenziell vom weisen Meister und vom dummen Schüler ausgehen.

So nimmt zum Beispiel die Disziplin Taekwon-Do für sich ebenfalls in Anspruch, eine Selbstverteidigungsmethode zu sein.

Zu wahrer Meisterschaft bringt es dort jedoch nur, wer fleissig Hyongs (eine Art Schattentanz) läuft und sich nach frühestens 4 Jahren Training einen schwarzen Gürtel um die Hüften binden darf.

Alle Geheimnisse (Schattentänze) beherrscht allerdings nur der Träger des 7. Dans (Schwarzgurt). Geschätzter Zeitansatz: 28 Jahre.

Das chinesische Kung Fu (du kennst es von Jackie Chan, Hong Kong Fui und Kung Fu Panda) macht hingegen erst gar keinen Hehl aus der Sache.

Der Name bedeutet übersetzt etwa soviel wie „Harte Arbeit, viel Zeit und grosse Mühe.“

Die Tradition der Dummen

Erfolgreiche Selbstverteidigung als besonders kompliziert und schwer erlernbar darzustellen, hat dabei eine lange Tradition. Im Altertum war es allerorts üblich, dass die Schüler ihren Meister finanzierten.

Der Meister hatte daher durchaus ein berechtigtes Interesse daran, seinen Schülern zu suggerieren, dass sie noch einen langen Weg vor sich hätten. Auf diese Weise war sein eigenes Auskommen nachhaltig gesichert.

Auf dem Totenbett flüsterte der alte Meister dann die letzten Geheimnisse in das Ohr seines Nachfolgers und das Spiel konnte von Neuem beginnen.

Menschen schwach, dumm, arm und abhängig zu halten ist seit jeher ein beliebtes Führungsinstrument unter anderem auch in Politik und Religion.

Der Fantasie sind dabei kaum Grenzen gesetzt. So kommt es schon mal vor, dass eine alte Nonne einen eigenen neuen Selbstverteidigungs-Stil kreiert.

Freilich kann dort nur der zur Meisterschaft gelangen, der den Flügeltanz des Kranichs oder die Antwort des Affen technisch perfekt beherrscht.

Perfektion als Mythos

Der Mythos von der technischen Perfektion ist diesbezüglich wohl tatächlich der hartnäckigste und gleichzeitig auch der aberwitzigste in der Welt der Kampfsportler und -künstler.

Entsprechend wird von deren Vertreten regelmässig argumentiert, dass zur erfolgreichen Selbstverteidigung das perfekte Erlernen bestimmter Techniken unabdingbar sei.

Eine ernstzunehmende Hodenprellung oder einen beeindruckenden Nasenbeinbruch herbeizuführen, ist jedoch alles andere als technisch kompliziert.

Jedes 14-jährige Mädchen ist in der Lage, derartige Grundkonzepte innerhalb kürzester Zeit zu entdecken und als Prinzipien in unterschiedlichen Situationen konsequent zu nutzen.

Erfunden hat diese „Techniken“ nach meiner Vermutung die Neandertalerin. Das, was wir heute Krav Maga nennen, ist augenscheinlich ein Teil des genetischen Erbes der Menschheit.

Die jedem Menschen ohnehin angeborene Selbstverteidungskompenz als hohe Kunst verkaufen zu wollen, stellt damit schon für sich genommen einen handfesten Betrug dar.

Der Umstand, dass durch eine derartige Darstellung auch heute noch viele Menschen davon abgehalten werden, sich mit dem (lebens-)wichtigen Thema der persönlichen Selbstverteidigung auseinanderzusetzen, verleitet darüber hinaus zu einem weiteren bedrückenden Gedanken.

Trägt die Zunft der Kampfsportkünstlermeister etwa eine Mitverantwortung für die Opferwerdung von Menschen in unserer Gesellschaft, weil sie weiterhin ihre Mythen und Legenden verbreitet?

Aufklärung ist Trumpf

Wie dem auch sei, bei den Kimonoträgern und anderen Großmeistern wird auch in absehbarer Zeit kaum etwas zu holen sein. Antike Paradigmen erfüllen schliesslich auch heute noch ihren Zweck.

Neben den einseitigen wirtschaftlichen Vorteilen einer Meister-Schüler-Hierarchie dient diese regelmäßig auch der Eitelkeit des Sensei, Sifu, oder wie sie sonst so heissen.

Vor diesem Hintergrund ist es um so wichtiger, öffentlich über die Unterschiede zwischen Taktischer Selbstverteidigung einerseits und Kamsport-/Kampfkunst andererseits aufzuklären.

Bei YOU CAN FIGHT! tun wir das am liebsten aktiv. Krav Maga lässt sich deutlich besser erleben (es ist eh ein Teil von dir), als erklären.

Unsere mittlerweile über 100 Instructoren machen einen einzigartigen Job, indem sie vor Ort jeden einzelnen Klienten dabei unterstützen, zu entdecken, über welche Selbstverteidiungsfähigkeiten er/sie bereits verfügt.

Zu einen schwarzen Gürtel wird das nicht zwangsläufig führen. Zu mehr persönlicher Sicherheit und weniger Opfern allerdings schon.

Hier übrigens noch das Video der coolen Frauen aus Kenia.

Auf ganz ähnliche Weise kannst du übrigens sofort damit beginnen, an jedem beliebigen Ort der Welt ein YCF! Krav Maga Training Team aufzubauen.

Informiere dich dazu gern über das YCF! Krav Maga Civil Instructor Program.

Yes, you can.

2017-04-08T19:01:50+00:00 By |

About the Author:

Chris Schmidt – Tactical Trainer & Coach | Krav Maga Supervisor | Pepper | Freedom Fighter – As a tactical trainer and coach I’ve been working with people and organizations for over 20 years. Starting my career in the military and law enforcement sector, I quickly discovered my true passion. Empowering people is what I’m here for. Find me in the Zone. YCF! Zone

One Comment

  1. Ralf Muninger 15. Februar 2017 at 14:56 - Reply

    Hast ne geile Schreibe! 😂
    Den Nagel auf den Kopf getroffen!

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