Der nachfolgende Artikel ist ein Auszug aus dem Buch FURCHTLOS – Taktische Selbstverteidigung für Frauen

Nicht nur durch den Täter kann eine Waffe Verwendung finden. Auch für dich ist der Einsatz einer Waffe im Rahmen deiner Verteidigung durchaus eine Option. Es gibt eine anhaltende Diskussion über den Einsatz von Selbstverteidigungswaffen (z.B. Pfeffersprays) durch Frauen. Schauen wir uns hierzu einige Fakten an. Du kannst dann besser entscheiden, ob das Tragen einer Waffe der richtige Weg für dich ist. Frauen haben nach meiner Erfahrung allgemein eine eher ablehnende Haltung zu Waffen. Die folgenden Ausführungen sollen dir daher nur einige Denkanstösse zum Thema liefern.

Wenn du die Anschaffung einer Waffe erwägst, besprich die Details am besten mit deinem Taktischen Trainer. Bedenke dabei, dass jede Waffe grundsätzlich nur so gut sein kann wie ihre Benutzerin. Eine Waffe zu haben, ohne die entsprechende Ausbildung zu absolvieren, ist wie einen Badeanzug anzuziehen, ohne schwimmen zu können. Es mag gut aussehen und sich vielleicht auch gut anfühlen. Dein Leben wird es im Fall des Falles aber nicht retten.

Wenn du dich also für das Führen eine Waffe entscheidest, ist es zwingend erforderlich, dass du damit ausreichend trainierest. Wenn du es ernst meinst, musst du die Waffe darüber hinaus zum Bestandteil deines Lebens machen. Du musst lernen, die Waffe in verschiedenen Situationen zu ziehen und einzusetzen. Ansatzlos und ohne zu zögern. Benutze eine Waffe niemals, um damit zu drohen.

Denke daran, dass gerade beim Thema Waffen viele Emotionen im Spiel sind und daher nicht alle Darstellungen objektiv sein werden. Lasse dich daher nicht von anderen oder der so genannten öffentlichen Meinung beeinflussen. Es geht immer noch um  dein Überleben. Hole dir Informationen aus verschiedenen professionellen Quellen. Das muss nicht immer die Polizei sein, die in letzter Konsequenz ja eine politische Instanz ist.

Der beste Weg, um herauszufinden, welche Verteidigungswaffe für dich geeignet ist, ist ein taktisches Selbstverteidigungstraining, welches den Einsatz von Waffen und Hilfsmitteln einbezieht. Nur so kannst du den Wert und den Unterschied für dich persönlich kennen lernen. Du kannst alle Waffen ausprobieren und feststellen, welches Handling dir am besten liegt.

Aber auch für das Tragen einer Waffe erfordert es eine gesunde Mischung aus Selbstvertrauen, Entschlossenheit und Know-How.

Elektroschocker und Taser

Elektroschocker (richtig: Elektroimpulsgeräte) erfreuen sich seit den 1970er Jahren einer gewissen Beliebtheit als potenzielles Selbstverteidigungsmittel im zivilen Sektor. Es handelt sich dabei um tragbare batteriebetriebene Geräte, die mindestens 2 Metallkontakte besitzen. Über einen Schalter kann zwischen diesen Kontakten eine elektrische Spannung von bis zu 750.000 Volt erzeugt werden.

Werden beide Kontakte mit dem Körper des Angreifers in Berührung gebracht, erleidet dieser einen „Elektroschock“ und ist für die Dauer der Einwirkung mehr oder weniger stark in der Benutzung seiner Muskulatur eingeschränkt.

Es gibt allerdings gute Gründe, warum sich diese Geräte, z.B. im polizeilichen Einsatz, nicht durchgesetzt haben. Hier sind einige:

  • Der Täter wird nicht immer unmittelbar neutralisiert. Er hat häufig genug Zeit, seinen Angriff fortzuführen, also z.B. ein Messer oder eine Schusswaffe einzusetzen. Dies ist insbesondere fatal, da der Anwender immer in unmittelbarer Reichweite des Täters agieren muss.
  • Der Effekt kann durch verschiedene Faktoren deutlich abgeschwächt werden (z.B. Kleidung des Täters, Temperatur, Batterieschwäche)
  • Trotz geringer Abmessungen sind die Geräte eher unhandlich und auffällig, wenn sie mitgeführt werden sollen.

Der grösste Nachteil ist allerdings, dass der Elektroschocker nur wirkt, solange der Auslöser betätigt wird und ein direkter Kontakt zum Körper des Aggressors besteht. Wird der Kontakt, z.B. durch Stolpern unterbrochen, ist der Täter zumeist sofort wieder in der Lage, seine Angriffe fortzusetzen.

Eine diesbezügliche Weiterentwicklung stellt der Taser (Elektroimpulspistole) dar. Bei dieser Technik werden mit Widerhaken versehene Projektile in Richtung des Gegners verschossen. Über mit den Projektilen versehene Drähte kann durch Betätigen der Abzugseinrichtung dauerhaft oder wiederholt Strom über eine Distanz zum Angreifer geleitet werden.

Seit 2008 sind Taser in Deutschland allerdings für den zivilen Gebrauch verboten und scheiden somit als legale Alternative zur Selbstverteidigung aus. Mit Wirkung vom 01.01.2011 dürfen nur noch solche Elektroimpulsgeräte in der Öffentlichkeit geführt werden, die ein Prüfzeichen der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) aufweisen.

Reizstoffsprühgeräte

Sowohl im polizeilichen, als auch im privaten Bereich haben sich Reizstoffsprühgeräte (RSG) als Hilfsmittel der körperlichen Gewalt etabliert. Dabei wurde die einstige „Chemische Keule“ aus CS bzw. CN-Gas weitestgehend vom biologischen Stoff OC (Oleoresin Capsicum) abgelöst, besser bekannt als „Pfefferspray“.

Das Pfefferspray ist ein natürliches Derivat aus Paprikapflanzen, bzw. Chilliebeeren. Die Essenz ist hochkonzentriert, mit einem Treibmittel versehen und hat zumeist einen Wasserstrahl als Träger. Mit diesem lässt sich das Spray relativ zielgenau in das Gesicht des Angreifers bringen.

Dort wirkt es unmittelbar auf Atemwege und Schleimhäute. Die Folge sind Tränenfluss, Husten und Atembeschwerden. Für den Getroffenen ist es zudem schwierig, die Augen zu öffnen und die Orientierung zu behalten.

Die Reichweite beträgt bis zu 5 Meter. Die Wirkung hält ca. 20 Minuten an. Pfefferspray wirkt bei richtiger Anwendung auch gegen schmerzresistente Personen und solche unter Alkohol- und Drogeneinfluss. Ferner ist es auch zur Abwehr aggressiver Hunde und anderer Tiere geeignet und dafür ist es auch in erster Linie gedacht.

Rechtlich gesehen darf das Pfefferspray in Deutschland nämlich nur als Tierabwehrspray frei verkauft, gekauft und geführt werden. Es unterliegt in diesem Falle nicht dem Waffengesetz. Pfefferspray wird in verschiedenen Behältern und Konzentrationen angeboten. Eine gängige Vergleichsgröße hinsichtlich der Wirksamkeit ist der SHU-Faktor (Scoville Heat Units). Es sollte hier ein SHU-Wert von mindestens 2 Millionen gewählt werden.

Kaufe bitte keine billige Sprühdose an der Tankstelle. Du benötigst ein professionelles Gerät, welches du ausschliesslich im qualifizierten Fachhandel erhältst. Rechne mit einem Anschaffungspreis von ca. € 35,00.

Dein Reizstoffsprühgerät sollte mindestens folgende Features aufweisen:

  • Einen ballistischen Sprühstrahl (und eben KEIN Spray)
  • Einen stabilen frei justierbaren Gürtelclip
  • Eine ergonomische Form, um den richtigen Griff auch blind zu gewährleisten
  • Ein Kartuschensystem (Patronen) zum Nachfüllen
  • Trainingsgeräte oder – patronen mit Wasserfüllung von exakt derselben Art und Form wie das Originalgerät

Pfefferspray hat sich bei Polizei- und Sicherheitseinheiten weltweit seit Jahrzehnten in vielen Einsatzlagen als „Universalwerkzeug“ unterhalb des Schusswaffengebrauchs bewährt und es ist ein grundsätzlich zuverlässiges Hilfsmittel zur Selbstverteidigung.

Allerdings hängt der Erfolg von der taktisch richtigen Anwendung ab. Diese kannst du nur in einem entsprechenden Training richtig erlernen. Auch ein Polizeibeamter würde keine Waffe ohne ein solches Training führen.

Also wieder einmal: Schlage diesen Weg nur ein, wenn du es wirklich ernst meinst. Kaufe ein Reizstoffsprühgerät nur, wenn du bereit bist es einzusetzen, damit zu trainieren und es ständig griffbereit zu führen. Ist dies nicht der Fall, spare dir das Geld.

Schusswaffen

Lass uns der Vollständigkeit halber auch über Schusswaffen sprechen. Theoretisch kommen als persönliche Verteidigungswaffen Pistolen und Revolver in Betracht. Sie stellen ohne Zweifel eine wirksame Möglichkeit dar, einen Straftäter an der Ausführung seines Vorhabens zu hindern.

Der Gesetzgeber steht der Idee, Schusswaffen zum privaten Selbstschutz einzusetzen, allerdings ausgesprochen kritisch gegenüber. Aus diesem Grunde gibt es diesbezüglich einige rechtliche und praktische Hürden.

Zum Führen einer Schusswaffe ausserhalb deiner Wohnung ist ein Waffenschein erforderlich. Dieser wird durch die zuständige Behörde nur in ganz besonderen Ausnahmefällen erteilt und ist in der Regel mit Auflagen verbunden.

Als Privatperson ohne besonderen Gefährdungsstatus hast du so gut wie keine Chance auf die Erteilung eines Waffenscheines, auch wenn du statistisch gesehen zu einem typisch gefährdeten Personenkreis gehören, weil du z.B. Taxifahrer oder eben Frau bist.

Selbst wenn du für den Besitz einer Waffe ein entsprechendes Bedürfnis glaubhaft machen kannst, weil du z.B. Sportschützin oder Jägerin bist, ist es dir bestenfalls erlaubt, die Waffe und die zugehörige Munition zum jeweiligen Zweck zusammenzuführen.

In allen anderen Fällen sind Waffen und Munition getrennt voneinander und zugriffssicher aufzubewahren und zu transportieren.

Der geladene Revolver im Nachttischschrank zum Schutz vor nächtlichen Besuchern wäre also ein Rechtsverstoss, der bei Aufdeckung strafrechtlich geahndet werden und den Entzug von Waffenbesitzkarte oder Jagdschein zur Folge haben kann.

Ferner erfordert der sichere Einsatz einer Schusswaffe zum Selbstschutz ein gewisses Mass an regelmässigem Training, auch unter Stress. Ein solches taktische Combat-Schiesstraining ist für Zivilisten aber selbstredend ebenfalls verboten.

Letztlich haben insbesondere Frauen häufig eine natürliche Abneigung gegen Schusswaffen. Und auch aus praktischen Gesichtspunkten scheiden Pistole und Revolver in unseren Regionen als taugliche Instrumente zur Selbstverteidigung weitestgehend aus. Wie alle Waffen oder Hilfsmittel zur Selbstverteidigung müssen Schusswaffen schnell einsatzbereit sein. Somit kommt also nur eine körpernahe Trageweise (i.d.R. am Gürtel) in Frage.

Auch wenn das im Film recht lässig ausschaut: Es ist keine Freude, ständig mit 1-2 kg Metall an der Hüfte herumzulaufen und das Ganze auch noch möglichst dezent.

Wenn dir das allerdings nichts ausmacht, bleibt noch die Alternative der sog. PTB-Waffen, besser bekannt als Schreckschuss- oder Signalwaffen. Mit ihnen kann in der Regel auch Reizstoff-Munition verschossen werden. Eine PTB-Waffe darfst du legal in der Öffentlichkeit führen. Ausnahmen gelten dabei für Volksfeste, Sportveranstaltungen, Messen etc.

Zum Führen benötigest du einen „kleinen Waffenschein“, den du, sofern du keine einschlägigen Vorstrafen zu verzeichnen hast, gegen eine Gebühr in Höhe von ca. € 50,00 von der zuständigen Behörde erhältst.

Common Objects

Neben den klassischen Waffen gibt es noch eine ganze Menge anderer Dinge, die du zur Selbstverteidigung einsetzen kannst. Gemeint sind damit Alltagsgegenstände, die dir sowieso in Hülle und Fülle überall zur Verfügung stehen.

Ein Kugelschreiber, eine Gabel, ein Schlüssel, ein Feuerzeug… Wenn du kreativ denkst, eröffnen sich dir fast unbegrenzte Möglichkeiten. Was fällt dir diesbezüglich z.B. zu einem Stück Seife und einer Strumpfhose ein?

Hammerfist mit Kugelschreiber

Beispiel Hammerfist mit Kugelschreiber

Das Spektrum möglicher Behelfswaffen ist nur durch deine Fantasie begrenzt. Benutze, was immer du bei dir trägst zur Selbstverteidigung. Baue alle nützlichen Gegenstände ein, die für dich erreichbar sind. So hältst du auf dem Weg zu deinem Auto den Fahrzeugschlüssel bereits fest in deiner Hand. Lasse einen stabilen Schlüssel zwischen Zeigefinger und Mittelfinger herausschauen.

Im Falle eines Angriffs stichst du mit dem Schlüssel ansatzlos in die Augen oder in die weiche Stelle unterhalb  des Kehlkopfs.

Du benötigst auch nicht unbedingt ein Pfefferspray. Viele Frauen tragen sowieso irgendeine Art von Parfüm, Haarspray oder Body Spray bei sich.

Diese Substanzen haben eine ähnliche Wirkung und können hervorragend zur Selbstverteidigung eingesetzt werden, wenn dies vorab trainiert wird. Bei den meisten Zugangskontrollen (z.B. in Diskotheken) wirst du damit zudem problemlos durchgewunken.

Sprühe mit diesen Sprays immer direkt in die Augen. Machen dich vorab mit deiner Spraydose vertraut:

  • Welche Reichweite hat das Spray?
  • Wie verläuft der Sprühstrahl (zumeist konisch)?
  • Wie verhält es sich bei Gegenwind und in geschlossenen Räumen?
  • Wie kannst du die Dose am Sichersten in der Hand halten?

Trainiere auch, die Spraydose ohne Hinzusehen bzw. im Dunkeln zu greifen und schnellstmöglich ansatzlos in Richtung des Täters einzusetzen.

Ein gutes taktisches Selbstverteidigungstraining sollte somit immer auch den Einsatz von Common Objects mit einbeziehen.

Allerdings darfst du dich niemals ausschliesslich auf die Anwendung dieser Hilfsmittel verlassen. Waffen können deine Verteidigung wirksam unterstützen. Aus vielerlei Gründen können Sie aber ausfallen bzw. gerade nicht zur Verfügung stehen. In diesem Fall musst du ebenso blitzschnell umschalten auf „waffenlosen Kampf“.

Ja, das Leben ist nicht fair. Aber du bist es ja mittlerweile auch nicht mehr.

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FURCHTLOS – Taktische Selbstverteidigung für Frauen.

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